Jeder hat sicherlich bei sich im Umfeld schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass die vielen flimmernden Bildschirme um uns herum die zwischenmenschliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht einschränken. Man trifft sich im Freundeskreis, hat sich lange nicht gesehen und viel zu erzählen. Aber im Hintergrund verspeist Horni Hirni, Dschungelcamp-Star, gerade das, was von Unten raus und von Oben rein kam. Die Glotze flimmert, zieht die Aufmerksamkeit natürlich mit derartigen abartigen Sensationen auf sich. Ständig sind die Gesprächspartner abgelenkt von dem Unrealen, das da läuft und eigentlich so unwichtig ist. Abends will Vadders seinen wöchentlichen Krimi sehen, obwohl eigentlich ein Familienausflug geplant war. Der Tagesplan richtet sich nach der Glotze. Jegliche Störung ist untersagt, die Kinder werden weggeschickt, weil sie mit ihrem Geplapper nerven.
Es ist nichts neues, wenn es heißt, dass zu viel Fernsehen, vor allem für Kinder schädlich ist. Aber interessant ist doch, dass laut einer Studie nicht nur der Inhalt des Fernsehprogramms langfristig psychische Schädigungen bei Groß und Klein verursacht, sondern das Übermaß an nicht realen, visuellen Eindrücken. Ob nun Teletubbies oder Rumgeballer…
Kleinkinder reagieren instinktiv stärker auf sichtbare, aber auch hörbare Veränderungen in der Umwelt als Erwachsene, bei denen dieser Teil des Überlebensinstinktes aufgrund der geringeren Reizschwellen nicht mehr so stark ausgebildet ist wie beispielsweise bei Säuglingen. Kinder reagieren auf das Flimmern und die wechselhaften Töne des Bildschirms viel gebannter, können leicht verwirrt sein und Reales von Unrealem oft nicht unterscheiden.
Daß durch dieses Verhalten vermehrt Hormone ausgeschüttet werden, was langfristig etwa zu physikalischen Veränderungen im Gehirn, zu Lern- und Konzentrationsstörungen und zu anderen gesundheitlichen Störungen führen kann, ist wissenschaftlich belegt. Denn über 80 Prozent des kindlichen Gehirns entwickeln sich bis zum dritten Lebensjahr.
So kann sich durch das vermehrte Fernsehgucken zum Beispiel das wichtige Hormon Melatonin verringern, das für ein gut funktionierendes Immunsystem von Bedeutung ist oder sich das Risiko an Herz-Kreislaufbeschwerden zu erkranken erhöhen: 1 Stunde Fernsehen erhöht das Risiko einer Herzerkrankung um 18 Prozent, 4 oder mehr Stunden um 80 Prozent. Beobachtungsstudien belegten ebenfalls, dass (nicht zuletzt aufgrund der Nascherei vor der Glotze oder dem Computer) bei Erwachsenen, die im Alter zwischen 5 und 15 Jahren täglich mehr als 2 Stunden vor der Flimmerkiste saßen der Cholesterinwert um 15 Prozent erhöht war und dass Personen, die mindestens eine dreiviertel Stunde vor dem PC verbrachten der Kalorienverbrauch um durchschnittlich 230 erhöht war.
Natürlich können derartige Statistiken nicht unabhängig von anderen Lebensgewohnheiten beurteilt werden. Nicht nur falsche Ernährung, sondern auch mangelnde Bewegung, die Auswahl des Fernsehprogramms usw. sind sehr eng verbunden mit dem übermäßigen Konsum an virtuellen Eindrücken und den daraus hervorgehenden geistigen und körperlichen Schädigungen.
Das Allerschlimmste ist doch aber, dass das Leben kostbar ist und zu einem großen Teil mit einer Beschäftigung verschwendet wird, die krank macht und dazu kaum Nachhaltiges mit sich bringt. Bei den am häufigstem konsumierten Schwachsinn, wie zum Beispiel Deutschland sucht den Superstar oder Big Brother ist der Lerneffekt gleich null. Backen, durch den Wald ströpern, Stricken, Handwerkeln, Anpflanzen, Basteln…das sind produktive Beschäftigungen, das hat Lerneffekt und produziert materielles Gut. Sogar ein Buch zu lesen ist gesund, weil die Fantasie und damit Denkfähigkeit angeregt wird und keine visuelle und akustische Reizüberflutung stattfindet.
Heutige Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahre verbringen aber 50 Prozent ihrer Freizeit mit Fernsehgucken, durchschnittlich 6 Stunden täglich. Laut Hochrechnungen verschwendet der Europäer 4 Stunden pro Tag und mindestens ein ganzes Jahrzehnt seines Lebens mit dem Starren auf einen Bildschirm. Sind das die positiven Genüsse unseres hohen Lebensstandards? Wohl nicht.





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