2010 erhielt die Anti-Atom Bewegung neuen Auftrieb. In Mecklenburg-Vorpommern fand ein Atom-Transport ins Atommülllager Lubmin statt, der von starken Protesten begleitet wurde. Nun steht ein weiterer Transport vor der Tür.
Fassungslosigkeit, Zorn und der Wille zu entschlossenem Widerstand machten sich angesichts der Beschlüsse der Regierung zum atomaren Zwischenlager im vorpommerschen Lubmin breit. Nach den gescheiterten Plänen der Landesregierung in der dünn besiedelten Region ein gigantisches, sämtlichen Umweltauflagen spottendes Kohlekraftwerk anzusiedeln, soll nun anscheinend der sukzessive Ausbau zum bundesweiten Atomzwischenlager vorangetrieben werden.
Mit brutaler Ignoranz und entgegen des entschiedenen Willens der Bevölkerung wurden und werden vermutlich noch immer Informationen über Umfang und Lagerzeiten zurückgehalten und eine intransparente Häppchentaktik gefahren. Auf eine Anfrage der Grünenfraktion im Bundestag gab die Bundesregierung inzwischen weitere Pläne preis.
Demzufolge würden auch in den kommenden drei Jahren noch weitere Atommüll-Transporte, bestehend aus „Großkomponenten, radioaktive[n] Reststoffe[n] und Kernbohranlagen“ aus deutschen Atommeilern und Kernforschungsanlagen, erfolgen. Über die Herkunft hüllt sich die Regierung mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis der bundeseigenen Betreiberfirma Energiewerke Nord (EWN) in Schweigen. Allerdings scheint ein konzentriertes Atomklo in der dünn besiedelten Region auch wirtschaftlich attraktiv zu sein.
Ursprünglich sollten auf dem Gelände in der Lubminer Heide lediglich die atomaren Überreste der DDR-Kraftwerke Lubmin und Rheinsberg vorübergehend eingelagert werden. Im Dezember erfolgten jedoch die ersten Transporte mit Atommüll aus Süddeutschland, so daß mittlerweile 69 Castorbehälter eingelagert sind. Weitere sollen nun folgen.
Die Finanzplanung des Bundestags-Haushaltsausschusses bestätigte die Bereitstellung einer weiteren Milliarde Euro für die Jahre 2013 bis 2080 dafür. Obwohl die bisherige „Zwischenlagerung“ lediglich bis 2039 befristet ist, bestehen offenbar bereits konkrete Planungen, die für einen deutlich längeren Zeitraum ausgelegt sind.
Silke Gajek, Landesvorsitzende der Grünen, kritisierte dieses Vorhaben entschieden:
„Trotz gegenteiliger Behauptung will die schwarz-gelbe Landesregierung in Lubmin auf unabsehbare Zeit Atommüll lagern.“
Außerdem wurden eine vollständige Offenlegung der Atommüllpläne für Lubmin gefordert und bereits weitere Proteste angekündigt. Die Zeche für ihre vollständig verfehlte Energiepolitik soll die Bundesregierung jedoch nicht auf Kosten einer vom Tourismus und intakter Natur lebenden Region begleichen. Ebenso ist es völlig unverantwortlich, das Problem der radioaktiven Hinterlassenschaften auf folgende Generationen abzuwälzen.
Nur durch vehementen Widerstand der ansässigen Bevölkerung und massive, landesweite Proteste kann diesen Plänen Einhalt geboten werden. Parteipolitisches Lavieren und auch linksextremistische Vereinnahmungsversuche sind hier das völlig falsche Signal. Nur mit einem breiten Bündnis und übergreifender Mobilisierung der Bürger, unterstützt durch Medien und verantwortungsbewußte Politiker kann das notwendige Protestpotential voll ausgeschöpft und die Bundesregierung zur Umkehr gezwungen werden.
Ein weiterer Transport ist für den 12. Februar 2011 angekündigt. Es formiert sich bereits Protest. Am morgigen Tag findet in Rostock eine Mobilisierungs-Demonstration statt (Treffpunkt 14 Uhr am Hbf Rostock). Am 12. Februar wird es dann die Auftaktdemo in Greifswald geben (14 Uhr, Markt Greifswald) und am gleichen Tag wird dann der bundesweite Castorstreckenaktionstag durchgeführt. Weitere Informationen zu den Aktionen gibt es hier.





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