Pläne für Atomlager Lubmin bis 2080 verlängert
Fassungslosigkeit, Zorn und der Wille zu entschlossenem Widerstand machen sich angesichts der jüngsten Beschlüsse zum atomaren Zwischenlager im vorpommerschen Lubmin breit. Nach den gescheiterten Plänen der Landesregierung, in der dünn besiedelten Region ein gigantisches, sämtlichen Umweltauflagen Hohn spottendes Kohlekraftwerk anzusiedeln, soll nun anscheinend der sukzessive Ausbau zum bundesweiten Atomzwischenlager vorangetrieben werden.
Mit brutaler Ignoranz und entgegen des entschiedenen Willens der Bevölkerung werden Informationen über Umfang und Lagerzeiten zurückgehalten und eine intransparente Häppchentaktik gefahren. Auf eine Anfrage der Grünenfraktion im Bundestag gab die Bundesregierung nun weitere Pläne preis.
Demzufolge würden auch in den kommenden drei Jahren noch weitere Atommüll-Transporte, bestehend aus „Großkomponenten, radioaktive[n] Reststoffe[n] und Kernbohranlagen“ aus deutschen Atommeilern und Kernforschungsanlagen, erfolgen. Über die Herkunft hüllt sich die Regierung mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis der bundeseigenen Betreiberfirma Energiewerke Nord (EWN) in Schweigen. Allerdings scheint ein konzentriertes Atomklo in der dünn besiedelten Region auf wirtschaftlich attraktiv.
Ursprünglich sollten auf dem Gelände in der Lubminer Heide lediglich die atomaren Überreste der DDR-Kraftwerke Lubmin und Rheinsberg vorübergehend eingelagert werden. Im Dezember erfolgten jedoch bereits weitere Transporte mit Atommüll aus Süddeutschland, so daß mittlerweile 69 Castorbehälter eingelagert sind.
Die Finanzplanung des Bundestags-Haushaltsausschusses bestätigte nämlich die Bereitstellung einer weiteren Milliarde Euro für die Jahre 2013 bis 2080. Obwohl die bisherige „Zwischenlagerung“ lediglich bis 2039 befristet ist, bestehen offenbar bereits konkrete Planungen, die für einen deutlich längeren Zeitraum ausgelegt sind.
Silke Gajek, Landesvorsitzende der Grünen, kritisierte dieses Vorhaben entschieden:
„Trotz gegenteiliger Behauptung will die schwarz-gelbe Landesregierung in Lubmin auf unabsehbare Zeit Atommüll lagern.“
Außerdem wurde eine vollständige Offenlegung der Atommüllpläne für Lubmin gefordert und bereits weitere Proteste angekündigt. Die Zeche für ihre vollständig verfehlte Energiepolitik soll die Bundesregierung jedoch nicht auf Kosten einer vom Tourismus und intakter Natur lebenden Region begleichen. Ebenso ist es völlig unverantwortlich, das Problem der radioaktiven Hinterlassenschaften auf folgende Generationen abzuwälzen.
Nur durch vehementen Widerstand der ansässigen Bevölkerung und massive, landesweite Proteste kann diesen Plänen Einhalt geboten werden. Parteipolitisches Lavieren und auch linksextremistische Vereinnahmungsversuche sind hier das völlig falsche Signal. Nur mit einem breiten Bündnis und übergreifender Mobilisierung der Bürger, unterstützt durch Medien und verantwortungsbewußte Politiker kann das notwendige Protestpotential voll ausgeschöpft und die Bundesregierung zur Umkehr gezwungen werden.
Quellen:
- Bundesregierung stellt Weichen für Endlager Lubmin (MVregio, 27.12.10)
- Bund schickt noch mehr Atomabfall nach Vorpommern (OZ, 28.12.10)




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