Bundesweite Proteste führten am Wochenende mehrere hundert Atomkraftgegner auf die Straße. Noch in diesem Jahr sollen nämlich Castor-Transporte weiteren Atommüll aus Karlsruhe und dem südfranzösischen Caderache ins Zwischenlager im vorpommerschen Lubmin bringen.
Die Aktivisten riefen vor allem verantwortliche Politiker von CDU und FDP dazu auf, am geplanten Atomausstieg festzuhalten. In Göttingen wurden diesbezüglich ausgefüllte Unterschriftslisten von 150.000 Bürgern überreicht, die sich gegen eine weitere Nutzung der Atomenergie aussprachen.
Vor allem in Norddeutschland fanden Demonstrationen mit unterschiedlichen Teilnehmerzahlen statt: u. a. in Hannover, Rostock und Greifswald. Nach wie vor stellen Castor-Transporte ein Sicherheitsrisiko für Natur und Bevölkerung dar. Ebenfalls ist die Frage der dauerhaften Endlagerung nicht abschließend geklärt. Bis dahin sollen, dem Willen der Bundesregierung entsprechend, die Castor-Transporte weiterrollen.
Das Zwischenlager Nord „Rubenow“, welches sich auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes Lubmin befindet, sollte ursprünglich nur die atomaren Abfälle der stillgelegten mitteldeutschen Kraftwerke Lubmin und Rheinsberg beherbergen. Bereits jetzt lagern hier insgesamt 65 Castor-Behälter. Neun weitere sollen in diesem Jahr folgen und bis zu vier Jahrzehnte verbleiben. Dies birgt gerade für die vom Tourismus lebende Region am Rande des Boddens mit der einzigartigen Landschaft „Lubminer Heide“ beträchtliche Risiken. Nur mit Mühe konnte nach monatelangen Bürgerprotesten der Bau eines überdimensionierten, neuen Kohlekraftwerkes verhindert werden, welches weithin von Rügen bis Usedom die Landschaft verschandelt hätte.
Nachdem bereits am Sonnabend, 24. Juli, ein Infostand am Greifswalder Fischmarkt auf die Probleme aufmerksam machte, trugen gestern knapp einhundert Aktivisten den Protest bis nach Lubmin. Langte es vor zwei Jahren gerade einmal für eine kurze Straßenblockade in Greifswald-Eldena, machten sich diesmal 50 Greifswalder mit dem Fahrrad auf nach Lubmin. Dies sorgte ab Kemnitz für Verkehrsbehinderungen, was jedoch maßgeblich durch die immer noch fehlende Weiterführung des dortigen Radweges bedingt ist.
Nach einer Zwischenkundgebung am alten Bahnhof führte der Protestmarsch weiter nach Lubmin und schließlich bis zum Zwischenlager Nord „Rubenow“. Eine internationale Dimension der Proteste wurde durch Grußworte von Atomkraftgegnern aus Rußland und Frankreich verdeutlicht. Ein Sprecher des Anti-Atom-Netzwerkes, Felix Leipold, erklärte außerdem, daß dies erst der Auftakt für eine ganze Protestwoche sein werde.
Aktuelle Informationen, Termine und Möglichkeiten zum Mitmachen findet man unter Contratom.de
Termine:
- Sa.-Mi. 24.-28.07. Große Anti-Atom-Aktionswoche in Greifswald
- 26.-28.07. Moving BalticSea – Programm zur nuklearen Verseuchung der Ostsee und dem Castortransport nach Lubmin
- Sa. 11.09. voraussichtliches Blockadetraining in Greifswald
- So. 12.09 Schnupperklettern
Verweise:
- Norddeutsche trommeln gegen längere Laufzeiten (NDR, 26.07.10)
- Atomkraft? Nein danke! – Demo gegen Castor (webmoritz, 25.07.10)
- Atomkraftgegner protestieren am Zwischenlager Lubmin (Contratom, 26.07.10)





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