(hc/mup) In Steinhagen findet demnächst der 28. Karl-Krull-Gedenklauf statt. Dieser „Gedenklauf“ hat sowohl etwas Substanzielles als auch Traumtänzerisches. Substanziell: Laufen ist gesund, gut für die Figur und man kommt an die frische Luft. Traumtänzerisch: Daß sich irgendwer dabei nen Kopp um den „aufrechten Antifaschisten“ Karl Krull macht.
Karl Krull kam am 20. Juli 1932, infolge einer Schießerei mit der Polizei, ums Leben.
„Im Sommer 1932 leitete Krull ein Ferienlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation Rote Falken im Wald bei Negast. In Stralsund war für den 19. Juli 1932 ein Auftritt Adolf Hitlers auf einer Kundgebung geplant. Zur Unterstützung der Stralsunder Polizei wurde ein Kommando der Stettiner Schutzpolizei aufgeboten. Bei ähnlichen Kundgebungen war es zuvor in ganz Deutschland zu gewaltsamen Auseinandersetzungen von Kommunisten und Nationalsozialisten gekommen. Nachdem es gerüchteweise geheißen hatte, dass Hitler auf seinem Weg nach Stralsund durch Negast fahren würde, versammelten sich dort zum Schutz des Ferienlagers viele Stralsunder Sozialdemokraten und deren Sympathisanten. Daraufhin entsandte die Polizei ein Aufgebot unter dem Kommando des Leutnants Braun zum Lager, in dem sich angeblich bewaffnete Gegner der Kundgebung versteckt hielten.
Über das genaue Geschehen im Lager nach dem Eintreffen der Polizei gibt es je nach Quelle abweichende Angaben. Der amtliche Polizeibericht vermeldet über den Einsatz: „Als die Schutzpolizei vorsichtig heranfuhr, fielen aus dem Walde die ersten Schüsse. Das Feuer wurde von der Polizei erwidert, nachdem zuerst Schreckschüsse abgegeben worden waren. Der in Greifswald beamtete Lehrer Krull aus Barhöft wurde schwer und eine weitere Person leicht verletzt.“…“
Wikipedia
Ein Gedenklauf, Jahr für Jahr, weil er in einem Schußwechsel mit der Polizei getötet wurde. Hätte der „aufrechte Antifaschist“ und Gegner Adolf Hitlers einen Polizisten in der gleichen Schießerei getötet – ob es für diesen einen Gedenklauf geben würde. Unwahrscheinlich.
Heute erinnert in Negast noch ein Gedenkstein an den „aufrechten Antifaschisten“, der, so lautet die Moral aus der Geschichte, im Juli 1932 nicht ums Leben gekommen wäre, hätten er und Konsorten sich nicht schwer bewaffnet in ein Kinderferienlager eingenistet, um von dort aus das Feuer auf die Polizei zu eröffnen.
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