Toter Naziführer spionierte für polnischen Geheimdienst

Himmelfahrt 2004 endet auf Usedom mit einem Knall: Mehrere Ausflügler werden Zeuge, wie eine Cessna auf ihrem Flug explodiert und ins Meer stürzt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die polnische Maschine sabotiert wurde. Und dann stellt sich auch noch heraus, daß einer der beiden ums Leben Gekommenen zum engsten Führungskreis einer Neonazivereinigung gehörte und gleichzeitig für den polnischen Inlandsdienst spionierte. Ein Fall von größerer innen- und außenpolitischer Dimension. Alles scheint auf eine großangelegte über Europa verteilte rechte Offensive hinauszulaufen, die ihre Gegner vernichten und nationalsozialistisches Gedankengut systematisch verbreiten will. Schließlich auch noch ein weiterer Mord, der die Ermittler in höchste Alarmbereitschaft versetzt….

So die Kurzbeschreibung des neuen Usedom-Krimis von George Tenner mit dem Titel „Nacht über der Insel“.

"Nacht über der Insel" | Titelbild des Buches

"Nacht über der Insel" | Titelbild des Buches

Im Interview mit dem Nordkurier, spekulierte der Autor darüber, daß es ihm mit dem Buch vielleicht gelänge, „einen Teil der Menschen, die jetzt NPD gewählt haben, und jene innerhalb der Volksparteien, die für ihr Engagement auf der Insel und den Randgebieten zuständig sind, für eine lebenskluge Politik zu sensibilisieren.“

Unverzichtbare Voraussetzung für das Entstehen seines Romans sei nicht zuletzt die dramatische Entwicklung der Ergebnisse bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2011 gewesen. Das NPD-Ergebnis war seines Erachtens katastrophal, aber unumgänglich bei der Ignoranz etablierter Parteien gegenüber so genannten Randgebieten, die nicht das Wählerpotenzial einer Großstadt bieten.

Neben allerlei weiteren persönlichen Weisheiten ließ er am Ende des Gesprächs aber wissen, daß es sich um einen Roman handle, demzufolge nicht jede Einzelheit der Gesamthandlung so geschehen sei, wie in dem Buch beschrieben. Na wer hätte das gedacht?

Mit der Auswahl des Themas wird der Absatz der Krimis wohl einbrechen, erst stürzte der SPIEGEL mit einem NPD-Titel bei den Verkaufszahlen mächtig ab. Gutmenschenargumentation und einschlägige Stimmungmache, egal wie sie verpackt wird, gilt inzwischen als abgedroschen und langweilig.

Tenner selbst lebt übrigens zurückgezogen am Rande Berlins.


 
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2 Kommentare

  1. Im unerschöpflichen Fundus der Abteilung “Dinge, die die Welt nicht braucht”, findet sich doch immer mal wieder etwas Neues. Hierzu dürften sicher auch die in Rede stehenden Einlassungen des Herrn Tenner zählen. Die das Machwerk gewiß überbewertende Titulierung “Roman” sei an dieser Stelle schon angesichts der wenig beeindruckenden Thematik vermieden. Aber immerhin befaßt sich der Genannte ja mit einem dem Zeitgeist der heutigen BRD zutiefst entsprechenden Anliegen, indem auch er der Horde jener beitritt, die inbrünstig glauben, vor sogenannten Neonazis warnen zu müssen. Allerdings sollte der Verfasser doch lieber die Auseinandersetzung mit dem Ungeist des in der BRD immer widerwärtiger aufkeimenden Linksextremismus praktizieren. Dies jedenfalls wäre für jemanden, der wie Tenner, mit dem DDR-Regime in Kollision geriet, näherliegender als der Griff zur Nazi-Keule.

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