Hinterpommern gegen Atomkraft

Funkenhagen (poln. Gąski) ist einer von drei möglichen Standorten, den die polnische Regierung und der Energiekonzern Polska Grupa Energetyczna (PGE) für den Neubau eines Kernkraftwerkes ins Auge gefaßt haben. Doch die Bewohner des touristisch erschlossenen Kurortes an der pommerschen Ostseeküste wehren sich geschlossen gegen die nuklearen Ambitionen, die auch in Mecklenburg und Pommern mit wachsender Sorge betrachtet werden.

Die NPD polarisierte früh gegen die polnischen Atomkraft-Pläne

In einer Volksabstimmung der zugehörigen Gemeinde Groß Möllen (poln. Mielno) votierte am vergangenen Wochenende eine überraschende Mehrheit von stolzen 95 Prozent gegen das Atomkraftwerk. Von 4.100 Wahlberechtigten stimmten 2.237 gegen und nur 125 für den Bau. Trotz eindeutigem Ergebnis ist das Referendum aber rechtlich nicht bindend, sondern vielmehr eine Empfehlung. Es werde jedoch bei der Entscheidungsfindung gewürdigt werden, versprach ein Sprecher des Ministeriums.

Die größte Sorge der Groß Möllener sind befürchtete Umweltsünden sowie negative Auswirkungen auf den Tourismus. Eine lokale Bürgerinitiative berichtete weiterhin, daß es „wie in einem totalitären Staat“ keinerlei Bürgerbefragungen oder Informationsgespräche gegeben hätte. Die Einwohner sollten vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Stattdessen trommelten polnische Medien wochenlang pro Atomkraft und erkoren den Kraftwerksbau zur nationalen Emanzipation in punkto unabhängiger Energieversorgung. Im Gegensatz zur offiziellen Darstellung ist die Zustimmung in der Bevölkerung jedoch keineswegs einmütig, vielmehr überwiegen die Bedenken.

Neben Funkenhagen ist auch Rügenwalde (poln. Darlowo), ein weiterer Ostseeort in Hinterpommern, im Gespräch. Allerdings dürfte sich auch dort bald lokaler Widerstand formieren. Die endgültige Entscheidung über den Neubau soll bis Ende 2013 gefällt werden. Mit einem Baubeginn ist frühestens 2016 zu rechnen.

Das Atomkraftwerk soll auf einer Fläche von 200 Hektar direkt an der Ostsee gebaut werden. Die zusätzlichen Arbeitsplätze zögen zwangsläufig auch massive Entlassungen im Tourismusbereich nach sich.

Die umweltpolitische Sprecherin der Linkspartei, Mignon Schwenke, forderte vom Land Mecklenburg-Vorpommern eine engere deutsch-polnische Kooperation auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Möglicherweise ließen sich auf diese Weise weitere Kernkraftwerke verhindern, ohne die Energieversorgung zu schmälern.

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