Ribnitz-Damgarten. Der Führer zieht immer. Nicht umsonst schaffte es der vorletzte Reichskanzler – mit großem Abstand vor allen anderen – am häufigsten auf die Titelseite des Spiegel-Magazins. Aber auch in der Provinz bringt man gern mal ein Schmankerl vom „Nazi-Chef“, um die Auflage zu steigern.
Die Ostseezeitung will nämlich ausfindig gemacht haben, daß Adolf Hitler immer noch Ehrenbürger der Stadt Ribnitz-Damgarten ist. Dies wurde auch durch eine Anfrage ans Stadtarchiv bestätigt. Offenbar hatten es die Demokraten bislang versäumt, diese Auszeichnung posthum abzuerkennen und auch die Kommunisten hat es vierzig Jahre lang nicht gejuckt. Naja, den Führer wird’s wohl kaum mehr stören, aber zumindest können ein paar Kleingeister wieder ruhig schlafen.

Vor knapp 80 Jahren rissen sich Mecklenburgs Städte darum, dem Reichskanzler Adolf Hitler eine Ehrenbürgerschaft antragen zu dürfen. Heut ist man natürlich schlauer.
Übrigens befindet sich Hitler als Noch-Ehrenbürger Ribnitz-Damgartens in guter Gesellschaft. Auch der volkstümliche und beliebte Gauleiter Mecklenburgs, Friedrich Hildebrandt, erhielt 1933 die Ehrenbürgerschaft zugetragen – seiner Zeit einstimmig beschlossen vom damaligen Stadtparlament.
Nebenbei ist auch noch Paul von Hindenburg, Generalfeldmarschall und Sieger von Tannenberg im Ersten Weltkrieg, Ehrenbürger der Stadt. Aber an diese historische Größe, immerhin war er neun Jahre lang Präsident der Weimarer Republik, wird man sich wohl erst in ein paar Jahren herantrauen.
Nun wollen die Ribnitz-Damgartener Stadtvertreter jedenfalls rasch Buße tun und ihre Stadt rasch von sämtlichen Altlasten bereinigen. Und wehe, es stimmt einer dagegen! Zuletzt wurde solch ein Akt des politisch korrekten Beelzebub-Austreibens 2007 in Bad Doberan durchexerziert.
Übrigens war die Rechercheleistung der Ostseezeitung gar nicht so herausragend. Man hat lediglich einmal die Nase ins unlängst erschienene Buch „Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich“ des Historikers Dr. Michael Buddrus gesteckt. Dort steht dann auch haarklein aufgelistet, wer, wann und wo im Gau Mecklenburg geehrt wurde.
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