Otto Riehs

Otto Riehs aus Marienbad im Sudetenland hat viel mitgemacht in seinem Leben: als Panzerjäger bei der Deutschen Wehrmacht nahm er als einer von Hunderttausenden am 22. Juni 1941 am Russlandfeldzug teil, sah die tief gestaffelten russischen Armeen in großer Übermacht stehen, war einer der vielen Namenlosen, die sich durch Steppe, Matsch und Schnee quälten.

Otto Riehs

Im Spätherbst 1943 kam es dann zu einer unglaublichen Begegnung in der russischen Steppe. Die Panzerjäger errichteten eine Auffangstellung – das Geschütz sollte am Hang stehen, doch der Obergefreite Otto Riehs setzte sich durch und ließ seine Gruppe das Geschütz, eine 7,5-cm-Kanone, eingraben. Die sechs Männer und der Fahrer schwitzten stundenlang, gruben Deckungslöcher für jeden Mann und die Maschinengewehrstellung.

Die Russen hatten ihre Taktik geändert und versuchten nun – wie die Deutschen im Frankreichfeldzug – mit großen Panzerrudeln die Front zu durchbrechen und hinter den Linien den Nachschub vernichtend zu treffen. Am nächsten Morgen sammelten sich russsische Panzer in ihrem Abschnitt, um die Front zu durchstoßen. Etwa 40 Panzer rasselten über die deutschen Gräben, die mit Panzergrenadieren besetzt waren und sich überrollen ließen, auf die deutsche Pak-Stellung zu, die von den Russen nicht erkannt worden war.

Etwa zwanzig Panzer bogen ab – der Keil drehte direkt auf die Stellung zu – und ging in die Breite. Das hätten sie nicht tun sollen. “Schieß’ doch!” brüllte Riehs – und der erste Schuss knallte. Fehlschuss! Der Richtschütze hatte die Nerven verloren!

“Otto, komm her, schieß du!” riefen die anderen.

Die Panzer rückten näher – 200 Meter! Die Panzer schossen mit ihren MGs. Riehs rannte von seinem Deckungsloch zur Pak-Stellung, richtete das Geschütz auf einen der T34 – Feuer! Schon stand der erste Panzer in Flammen. Schuss – Treffer! Zweiter Schuss – Treffer! Dritter Schuss – Treffer! Da brannte wieder einer – und dort einer!

Die Panzer erkannten den gefährlichen Gegner, behinderten sich aber gegenseitig. “Schieß doch, schieß doch, Otto!” Ein Rudel T34 drehte auf die Pak zu, schoss aus der Bewegung – doch aus der Bewegung treffen die Russen schlecht. Schuss – Treffer!

Die Russen griffen mit Infanteriewaffen an, das MG feuerte Gurt um Gurt aus dem Lauf. “Panzer von rechts!” Schuss – Treffer!

Die Panzergrenadiere griffen ein, sprangen aus ihren Gräben und jagten die letzten kurvenden Panzer mit T-Minen und Handgranaten. Wieder rollten Panzer vor – “Vorsicht! Geschütz drehen!” Die Männer wuchteten das Geschütz herum – “Rechts anheben!” – Treffer!

Dann ist es vorbei – die Männer fallen sich in die Arme.

Am Abend glaubte der Divisionskommandeur seinen Augen nicht zu trauen – 33 abgeschossene Feindpanzer werden gemeldet, allein der Obergefreite Otto Riehs schoss zehn Panzer in zwölf Minuten ab und wurde dafür später mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Das Kriegsende überlebte er schwer verwundet – Feldwebel war er nun und geriet in Posen in russische Gefangenschaft. Erst 1949 wurde er entlassen.

Otto Riehs blieb sich immer treu – so auch am 22. November des Jahres 2003, als er mit 500 anderen Deutschen in Marienfels gegen den geplanten Abriss eines deutschen Ehrenmales, das an die Gefallenen des I. SS-Panzerkorps erinnert, auf die Straße ging. Otto Riehs trug sein Ritterkreuz – und deswegen stürmten bundesdeutsche Polizisten seine Wohnung mit einem Durchsuchungsbefehl:

“Der Beschuldigte ist verdächtig, am 22.11.2003 in Marienfels auf einer Veranstaltung in der Öffentlichkeit ein sog. Ritterkreuz mit Hakenkreuz getragen zu haben. Nach den bisherigen Ermittlungen ist zu vermuten, dass die Durchsuchung zur Auffindung folgender Beweismittel führen wird: Ritterkreuz mit Hakenkreuz.

Der alte Mann stand den Staatsbeamten hilflos gegenüber – hilfloser als seinerzeit im Herbst des Jahres 1943 gegen eine Übermacht russischer Panzer. Damals konnte er sich wehren, denn er stand den Russen auf gleicher Augenhöhe gegenüber. Im Jahr 2004 aber hatten sich die Zeiten längst geändert: Paragraphen regieren und einer wie der ehemalige Wehrmachtssoldat Otto Riehs war kein Held mehr – im System der Demokraten sind Drückeberger und Deserteure die Helden.

Otto Riehs ist zeit seines Lebens ein gerader Mensch geblieben. Einer wie er hat alles erlebt und auch diese Schande ertragen. Selbst im Krieg hatte er bessere Zeiten gesehen – und er hat 1989 den Fall der Kommunisten erlebt. Er wusste, dass ein Staat, in dem die Obrigkeit aufgrund eines Ritterkreuzes eines alten Frontsoldaten ausschwärmt, aber kein Mittel gegen Arbeitslosigkeit und Armut hat, längst am Ende ist.

Am 29. Mai 2008 starb Otto Riehs in Frankfurt am Main.


 
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Quelle| http://spreelichter.info/
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6 Kommentare

  1. ich werde dir ewig für deine Vaterlandstreue und deine Taten im Krieg ewig dankbar sein!
    Ruhe in Frieden.

  2. Sehr gut ge- und beschrieben.
    Die BRD hat also Angst vor Symbolen der Deutschen Geschichte und durchsucht die Wohnung eines Ruheständlers. Dazu fällt einem NIX mehr ein.

  3. Dieses Staatsgebilde ist eine einzige Schande!

  4. Das Wort Ehre fehlt im Sprachgebrauch der Polizeibüttel und ihrer Auftraggeber.

  5. @ Hagestolz,
    es ist nicht nur das Wort “Ehre” im Sprachgebrauch. Gewissen Leuten
    ist offenbar noch mehr “abhanden gekommen”. Zum Beipiel und unter
    anderem Anstand, Ehrlichkeit, Charakter und Moral. Vieles macht jetzt
    wohl auch die “freiheitliche Demokratie”. Sowas wie jetzt gab es doch
    in Deutschland zuvor nie.
    (Vorsicht, ein wenig Ironie dabei!)

  6. Wenn ich soetwas lese werde ich einfach nur traurig. Was wäre passiert, wenn die Alliierten verloren hätten und noch mehr Menschenleben sinnlos vergeudet worden wären. Ihr seid Menschen wie es ca. acht Milliarden auf dieser Welt gibt. Was gibt euch das Recht zu denken ihr seid “besser”? Ich begreife es einfach nicht, ihr hättet genauso gut als MArokkaner, Syrer oder Türke geboren werden können. Dieser man hat all diese Straftaten begangen und ihr feiert ihn auchnoch. Zum Glück haben die Russen gewonnen, sonst wäre die Welt noch schlechter als sie ohnehin schon ist. Ich bin kein Kommunist, aber das ist auch nicht die Lösung, Vergebt euch selbst und fangt an zu lieben. Wie ihr eure Mutter liebt. Wir sind alle gleich, genotypisch. Vergesst das niemals.

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